Nimmermehr!

Trauerrede auf die vermeintliche Sicherheit

gehalten am offenen Schaltkasten

Wir sind heute hier versammelt,
um Abschied zu nehmen von einer Idee,
die lange als selbstverstÀndlich galt
und sich nun als Illusion zu erkennen gab.

Sie hieß: Versorgung.
Sie meinte: NeutralitÀt.
Sie versprach: VerlÀsslichkeit.

Geboren wurde sie im Schoß der Bequemlichkeit,
aufgezogen von Ausschreibungen,
ernÀhrt durch Effizienzkennzahlen
und in Watte gepackt aus ZustÀndigkeiten.

Sie glaubte an Leitungen ohne Körper,
an Netze ohne Politik,
an MĂ€rkte ohne Erinnerung.

Als die KĂ€lte kam,
war sie nicht vorbereitet.
Als der Strom ging,
ging sie mit.

Niemand hat sie direkt getötet.
Sie starb an Auslagerung.
An proprietÀren AbhÀngigkeiten.
An der Annahme, jemand anderes
werde schon zustÀndig sein.

Man wird nun sagen:
Man habe es nicht wissen können.
Man habe Vertrauen gehabt.
Man habe sich auf Systeme verlassen.

Doch Systeme trauern nicht.
Sie schalten ab.

Was bleibt,
ist nicht der Wunsch nach mehr Kameras,
nicht der Ruf nach Geheimhaltung,
nicht das nÀchste Gesetz als Beruhigungstablette.

Was bleibt,
ist die unbequeme Einsicht,
dass Resilienz nicht delegierbar ist,
dass AbhÀngigkeit kein Naturgesetz
und Vorsorge keine Option ist.

Möge diese Idee ruhen.
Nicht ehrfĂŒrchtig,
sondern warnend.

Und möge aus ihrem Ende
kein Denkmal entstehen,
sondern eine Praxis.

Amen,
oder wie Netze sagen:
Timeout.