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ZurĂŒck zur Selbstverantwortung

Abstract

Dieses Traktat untersucht die These, dass moderne Gesellschaften Selbstverantwortung systematisch externalisieren und dabei einen Mythos kollektiver Absicherung reproduzieren, der weder anthropologisch noch infrastrukturell haltbar ist. Ausgangspunkt ist die Beobachtung, dass Resilienz nicht sozial delegierbar ist, sondern individuell getragen werden muss. Der Text verbindet anthropologische, soziologische und infologische Perspektiven.


1. Einleitung: Der Mythos der Delegation

„Der Kunde ist König“ ist kein soziologischer Befund, sondern eine Marketingfiktion.
Ebenso ist „der Mensch als soziales Wesen“ weniger Beschreibung als normativer Wunsch.

Diese Narrative erfĂŒllen eine Funktion: Sie stabilisieren Systeme, indem sie Verantwortung verschieben.

„Mythen sind ErzĂ€hlungen, die dort Ordnung schaffen, wo operative Kontrolle fehlt.“
(vgl. Barthes, 1957)


2. BegriffsklÀrungen

2.1 Selbstverantwortung

Selbstverantwortung bezeichnet die FĂ€higkeit und Pflicht eines Individuums, fĂŒr die eigenen Lebensgrundlagen Vorsorge zu treffen, ohne diese vollstĂ€ndig an abstrakte Systeme auszulagern.

Abzugrenzen von:

2.2 SozialitÀt

SozialitÀt meint hier nicht Koexistenz oder Kooperation, sondern strukturelle AbhÀngigkeit des Individuums vom Kollektiv.

Bienen sind sozial.
Menschen sind optional kooperativ.

„Der Mensch ist kein Herdentier, sondern ein BĂŒndniswesen auf Zeit.“
(Plessner, 1928)

2.3 Resilienz

Resilienz ist keine Eigenschaft von Systemen allein, sondern entsteht erst im Zusammenspiel von Infrastruktur und individueller Vorbereitung.

Delegierte Resilienz ist ein Widerspruch in sich.


3. Anthropologischer Vergleich

Spezies Form der Intelligenz AbhÀngigkeit
Bienen Schwarmintelligenz zwingend
Weidevieh Gruppenverhalten begrenzt
Hundeartige Rudelstruktur opportun
Katzen Individualintelligenz minimal
Mensch reflexive Intelligenz optional

Der Mensch kann sozial handeln, muss es aber nicht.
Gerade diese Wahlmöglichkeit wird politisch ĂŒberformt.


4. Ökonomie der Bequemlichkeit

Moderne Marktsysteme fördern gezielt AbhÀngigkeit:

„KomplexitĂ€t wird externalisiert, bis sie als Naturereignis erscheint.“
(Luhmann, 1984)

ProprietÀre Netze funktionieren nur, solange:

Der Blackout ist kein Unfall, sondern ein Erkenntnisereignis.


5. Kritik der kollektiven Vorsorge

Staatliche Vorsorge operiert nach ZustÀndigkeiten, nicht nach Wirkfolgen.

„Institutionen reagieren trĂ€ge, weil sie nicht sterben können.“
(Voss, 2016)

Individuen hingegen frieren.

Die Forderung nach „mehr Schutz“ ersetzt nicht:


6. Infologische Perspektive

Infologie unterscheidet strikt zwischen:

Selbstverantwortung beginnt dort, wo Wissen in Praxis ĂŒbergeht.

„Nicht die Daten fehlen, sondern der Mut zur Konsequenz.“
(Rosa, 2016)


7. Schluss: RĂŒckkehr ohne Romantik

„ZurĂŒck zur Selbstverantwortung“ meint keine Regression,
sondern eine Entzauberung.

Keine Autarkie-Fantasie.
Keine Prepper-Ideologie.
Sondern minimale SouverÀnitÀt.

Resilienz ist kein Service.
Sie ist eine Haltung.


Literatur (APA)

Barthes, R. (1957). Mythen des Alltags. Paris: Seuil.
Luhmann, N. (1984). Soziale Systeme. Frankfurt a.M.: Suhrkamp.
Plessner, H. (1928). Die Stufen des Organischen und der Mensch. Berlin: de Gruyter.
Rosa, H. (2016). Resonanz. Berlin: Suhrkamp.
Voss, M. (2016). Krisen als Normalfall. Wiesbaden: Springer VS. https://doi.org/10.1007/978-3-658-13458-9


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KIQ: 8 🔮 Status: Wissen (revidierbar) Typ: Meta-Wissen Infologie · DOI 17427441