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Pay What You Want – Herkunft, Theorie und Praxis eines alternativen VergĂŒtungsmodells

Herkunft, Theorie und Praxis eines alternativen VergĂŒtungsmodells

Dorfzwockel – Institut fĂŒr Partisanenepistemologie (I.P.E.)
DOI: 10.5281/zenodo.XXXXXXX


Zusammenfassung

Das Prinzip Pay What You Want (PWYW) beschreibt ein VergĂŒtungsmodell, bei dem Kund:innen den Preis fĂŒr eine Dienstleistung oder ein Produkt freiwillig festlegen. Trotz seiner scheinbaren NĂ€he zu altruistischen oder gemeinwohlorientierten Wirtschaftsformen berĂŒhrt PWYW grundlegende Fragen ökonomischer RationalitĂ€t, sozialer Normierung und digitaler Vertrauensökologien. Der vorliegende Text erlĂ€utert Herkunft, theoretische Fundierung, empirische Befunde sowie die spezifische Adaption dieses Modells durch das I.P.E. im Rahmen von Chatmail-Relays, Coaching-Formaten und weiteren wissensbasierten Dienstleistungen.


1. Einleitung

Bezahlmodelle strukturieren nicht nur MĂ€rkte, sondern auch Beziehungen. Sie regeln, wie Vertrauen, Wert und Risiko verteilt werden. WĂ€hrend konventionelle Preismodelle auf Fixierung, Prognose und Kontrolle beruhen, vollzieht PWYW eine Umkehr des epistemischen Vorzeichens:
Statt Preisdiktat → Preisdelegation;
statt MisstrauenskalkĂŒl → Vertrauensvorschuss;
statt Marktmechanik → Aushandlungsraum.

In digitalen RĂ€umen – besonders solchen, die durch Filterblasenlogiken entkoppelte Erwartungswelten produzieren – wird diese Offenheit hĂ€ufig als irritierend, sogar verdĂ€chtig wahrgenommen. Das I.P.E. nutzt PWYW daher bewusst als Interventionsform: Es verschiebt ökonomische Gewohnheiten und zwingt zur Frage, wie Wert entstehen kann, wenn er nicht vorab festgelegt ist.


2. Historische und theoretische Herkunft

Die Wurzeln von PWYW reichen in drei Traditionslinien:

  1. Anthropologische Gabentheorie
    Marcel Mauss (1925) beschreibt den Gabentausch als System sozialer Bindung, in dem Wert erst durch ReziprozitÀt entsteht. PWYW aktualisiert dieses Prinzip im digitalen Kontext.

  2. Behavioral Economics
    Forschung zu prosozialem Verhalten zeigt, dass unter bestimmten Bedingungen freiwillige Preisgabe zu höherer Zahlungsbereitschaft fĂŒhren kann als fixe Preise (Kim et al., 2009; Gneezy et al., 2010). Vertrauen erzeugt Leistung, nicht umgekehrt.

  3. Digitale Ökonomien
    Offene Preisgestaltung wird seit den frĂŒhen 2000ern im Open-Content-Bereich erprobt (z. B. Musikplattformen wie Magnatune). Der Erfolg hĂ€ngt weniger von der Produktkategorie als von der sozialen Rahmung ab (Regner & Barria, 2009).

Diese Linien treffen in einem Punkt: PWYW ist kein Preismodell, sondern ein sozioökonomisches Setting, in dem WertschÀtzung signalisiert und soziale Normen sichtbar gemacht werden.


3. PWYW im Kontext digitaler Misstrauenskulturen

Bewohner:innen stark personalisierter InformationsrĂ€ume – oft verkĂŒrzt als „Filterblasen“ bezeichnet – entwickeln Preisintuitionen, die von gewerblichen Abo-Modellen geprĂ€gt sind:

Diese Heuristiken sind Ergebnisse ökonomischer Überreizung: Abos, Mikrotransaktionen, Lock-Ins, algorithmische Upsells. PWYW bricht diese Muster auf, indem es zwei Kontrollachsen entfernt:

  1. den Zwang zur Vorabentscheidung,
  2. die Erwartung einer psychologischen Manipulation.

Damit wird PWYW zu einer mikro-epistemologischen Intervention: Es zwingt die Beteiligten, eigene WertmaßstĂ€be zu aktivieren.


4. Anwendung durch das I.P.E.

Das I.P.E. setzt PWYW in folgenden Bereichen ein:

Leitprinzipien:

  1. Transparenz: Kein Mindestpreis, keine versteckten Bedingungen.
  2. ReziprozitÀt: Zahlung als Resonanzsignal, nicht als Warenpreis.
  3. Ökonomische Entkopplung: Wert entsteht nach der Erfahrung.
  4. Anti-Abzockungs-Ethos: PWYW als Gegenmodell zur algorithmischen Extraktion.

Diese Struktur folgt der infologischen Grundannahme, dass Wert nicht fix ist, sondern durch Beziehung entsteht (LĂŒchow, 2025).


5. Empirische Befunde

Studien zeigen, dass PWYW funktioniert, wenn folgende Bedingungen erfĂŒllt sind:

Beispielhafte Ergebnisse:


6. Warum PWYW fĂŒr Filterblasenbewohner schwer erklĂ€rbar ist

Viele Menschen sind an drei Formen von Abzock-Rahmung gewöhnt:

  1. Preis als Drohung (zu hoch)
  2. Preis als Lockmittel (zu niedrig)
  3. Preis als Abofalle (zu intransparent)

PWYW verweigert alle drei Mechanismen.
Dadurch entsteht kognitive Dissonanz: „Wenn ich den Preis bestimme, kann ich ja falsch liegen.“
Die eigentliche Irritation liegt darin, dass PWYW Selbstverantwortung zurĂŒckgibt, die digitale Dienste gewöhnlich systematisch deaktivieren.


7. Fazit

PWYW ist ein epistemisches Experiment, kein Rabattmodell.
Es funktioniert dort, wo Menschen bereit sind, Wert nicht als Zahl, sondern als Beziehung zu verstehen.
FĂŒr das I.P.E. ist PWYW ein Werkzeug zur Re-Humanisierung digitaler Interaktion: eine ökonomische Geste, die Misstrauensökonomien durch Resonanzökologien ersetzt.


![Das Bild zeigt eine humorvolle und surreal anmutende Rechnung fĂŒr Dienstleistungen aus der "Praxis fĂŒr Quantenhaushalt" von Dr. E. Schrödinger, die sich an physikalischen Konzepten orientiert.

Das Dokument ist eine Rechnung mit dem Titel "Praxis fĂŒr Quantenhaushalt" und dem Untertitel "Institut fĂŒr ZustandsĂŒberlagerungen". Die Rechnung trĂ€gt die Nummer Κ-2025-001 und ist datiert auf den 31. Oktober 2025. Als Kundin wird "homo schlappiens zombiensis" mit der Adresse "Superpositionsgasse 1, 0000 Wahrscheinlichstadt" angegeben.

Unter "Leistungen" sind vier Posten aufgefĂŒhrt:

"Betreuung einer Katze im ĂŒberlagerten Zustand (lebend/tot, offen/zu), offen/zu" mit dem Betrag "1/ħω". "Kollaps der Wellenfunktion auf Kund:innenwunsch (einmalig, irreversibel)" mit dem Betrag "1 Beobachtung". "Quantenpreisbildung 'Pay What You Measure'" mit dem Betrag "n·Κ₏". "Administrativer Mehraufwand durch unbestimmten Zahlungszustand" mit einem Betrag von "±0 €".

Die "Zusammenfassung" gibt an, dass die "Steuer (19%)" "zugleich fĂ€llig und nicht fĂ€llig" sowie "als auch unbeihbar" ist, und der "Gesamtbetrag" ist als "ÎŁ/€/>//" angegeben.

Ein "Hinweis" besagt: "Diese Rechnung existiert nur im Moment der Berachtung. Beim Wegschauen kann sich der Betrag spontan andern oder in ein anderes Universum tunneln."

Am Ende steht: "Bitte zahlen Sie: - einen frei gewÀhlten Betrag - zu einem frei unbestimmtem Zeitpunkt" und darunter der Name "Dr. E. Schrödinger (gleichzeitig unterschrieben und nicht)".

Die AtmosphĂ€re ist humorvoll und spielt mit den Paradoxien der Quantenmechanik, insbesondere dem Konzept der Superposition und der Unbestimmtheit. Die Stimmung ist leicht ironisch und regt zum Nachdenken ĂŒber die AbsurditĂ€t alltĂ€glicher Kontexte im Spiegel der Quantenphysik an.](https://cdn.ffw.red/gimme/6fcb40146b94db1fa65c65a90be1848bd85eb94954bfc7ab36561473329b8d04%4012.4.836/image_2025-12-04_19-03-51.jpg)


8. PWYW als Selbstschutzmodell fĂŒr erschöpfte Wissensarbeiter:innen

Eine infologische Perspektive auf Energieökonomie, Grenzen und Delegation

Wissensarbeit ist nicht durch Zeit limitiert, sondern durch kognitive und affektive Energie. Diese Energie folgt keiner linearen Produktionslogik, sondern unterliegt zyklischen Schwankungen (Maslach & Leiter, 2016).
PWYW erlaubt es, die Energiemenge, die abgegeben wird, an das Resonanzsignal der Kund:innen zu koppeln.

8.1 Energieökonomien jenseits des Marktes

Wissensarbeiter:innen sind nicht austauschbare Ressourcen.
Ihre LeistungsfÀhigkeit hÀngt von KonzentrationsfÀhigkeit, Regenerationszyklen, gesundheitlichen Schwellen und affektiven Resonanzbedingungen ab.

PWYW verschiebt daher den ökonomischen Mechanismus:
Statt Dienstleister bestimmt Preis → Kund:in bestimmt Belastung
gilt nun:
Kund:in bestimmt Wert → Dienstleister bestimmt Energieeinsatz.

Die Preisdelegation wird zur Überforderungsdelegation:
Wer wenig Wert sieht, ruft wenig Energie ab;
wer viel Wert sieht, signalisiert höhere Bereitschaft zur ReziprozitÀt.

8.2 Fragmentierung und Erschöpfung

Digitale WissensrÀume produzieren eine paradoxe Belastungskurve: hohe kognitive Beanspruchung bei gleichzeitig diffuser sozialer Verortung (Crawford, 2021).
FĂŒr Personen, die dauerhaft zwischen Analyse, Betreuung, technischen Infrastrukturen und Schreiben changieren, entsteht ein permanenter Druck, „funktionieren zu mĂŒssen“.

PWYW wirkt hier wie eine infologische Bremse:
Es zwingt nicht zur Maximierung, sondern erlaubt Selektion.
Wissensarbeiter:innen können Anfragen, die in keinem VerhÀltnis zu ihrem aktuellen Energiehaushalt stehen, einfach nicht bedienen, ohne normativ sanktioniert zu werden.
PWYW wird so zu einem Regelkreis persönlicher Belastungskontrolle.

8.3 Beziehung statt Anspruch

Konventionelle Honorarmodelle erzeugen Erwartungen, die rational, aber ungesund sind:

PWYW entkoppelt diese Forderungsstruktur.
Die Beziehung wird primÀr prozedural, nicht imperativ:
Man zahlt, weil man Wert sieht, nicht um Anspruch zu erwerben.
Im Sinne der Infologie wird ökonomischer Austausch damit zu einem Resonanzraum, nicht zu einem verpflichtenden Vertrag (LĂŒchow, 2025).

8.4 Infologisches FĂŒr-sich-Sorgen

In einer Kultur, die Überlastung normalisiert und Selbstoptimierung als Pflicht versteht, erscheint jede Form von Grenzsetzung erklĂ€rungsbedĂŒrftig.
PWYW ist diese Grenzsetzung – aber freundlich, weich, relational.
Das Modell schĂŒtzt jene, deren Arbeit nicht auf stĂ€hlernen Servern ruht, sondern auf kognitiven Organen, die MĂŒdigkeit, Krankheit und Erschöpfung kennen.

PWYW ist somit nicht nur ein Preismechanismus, sondern ein infologisches FĂŒr-sich-Sorgen.
Es integriert die Verwundbarkeit des Menschen in ökonomisches Handeln – ein seltenes, aber notwendiges Element nachhaltiger Wissensarbeit.


9. PWYW als Gegenmodell zu Inkasso, juristischer Eskalation und normzerstörender Verwertung

Über Forderungsgewalt, Rechtsstaaterosion und die politische Dimension eines Preismodells

Konventionelle Preislogiken erzeugen Forderungen, die juristisch durchsetzbar sind.
Daraus entsteht ein Ökosystem aus Mahnwesen, Inkasso, Vollstreckung – eine Industrie, die Gewaltoptionen verwaltet.

9.1 Wie PWYW Inkassoketten verhindert

PWYW produziert keine Forderungen.
Es existiert daher:

Die gesamte Zwangsökonomie entfÀllt strukturell.
Es gibt schlicht nichts, das eingetrieben werden könnte.
PWYW entzieht der Interaktion jene Gewaltoption, die in Rechts- und Zahlungsordnungen normalerweise immer im Hintergrund lauert.

9.2 Der Wildwuchs des Inkassowesens

Seit der Umstellung von BRAGO auf RVG (2004) entstand ein hochprofitables juristisches Gewerbe, das Kleinstforderungen algorithmisch eskalieren kann (Ohler, 2017; Rösler, 2014).
Inkassodienstleister und spezialisierte Kanzleien arbeiten heute oft industriell: automatisierte MahnlĂ€ufe, Drohkulissen, GebĂŒhrenspiralen, algorithmische Schuldnerbewertung.

Diese Strukturen sind nicht nur wirtschaftlich fragwĂŒrdig, sondern normativ erosiv:
Sie zerstören Vertrauen in Rechtsstaatlichkeit, weil sie die Asymmetrie zwischen Wissenden (Juristen, Dienstleister) und Nichtwissenden (BĂŒrger:innen) ausnutzen und monetarisieren.

Wo das Recht zur Zahlungsdurchsetzung wird, wird das Vertrauen zur Schadensquelle.

9.3 Persönliche ErmĂŒdung als systemische Reaktion

Die stĂ€ndige Konfrontation mit juristischen Mikroprozessen erzeugt nicht nur Stress, sondern kumulative ErmĂŒdung.
Wer wiederholt mit Abbuchungen, WidersprĂŒchen, Mahnungen, Formularen konfrontiert ist, erlebt nicht primĂ€r ökonomische Kosten, sondern eine schleichende Erschöpfung.

PWYW ist in diesem Sinne eine Verweigerung, sich an dieser Ökonomie der Drohung zu beteiligen.
Es ist ein bewusstes Herausziehen aus einer Rechtskultur, die zunehmend technokratisch und profitgetrieben agiert – und die paradoxerweise von denselben Berufsgruppen gestaltet wird, die den Gesetzgebungsapparat dominieren.

9.4 Politischer und infologischer Schluss

PWYW ist ein Versuch, Normvertrauen wiederherzustellen, indem es den Ort, an dem normalerweise Konflikt entsteht – die Forderung –, komplett eliminiert.
Es ist die Entscheidung, Beziehungen nicht ĂŒber Drohoptionen zu regulieren, sondern ĂŒber Resonanz, WertschĂ€tzung und Freiwilligkeit.

FĂŒr erschöpfte Wissensarbeiter:innen bedeutet das:
weniger juristische Mikrotraumata,
weniger strukturelle Aggression,
weniger Reibungsverluste im Alltag.

PWYW ist damit nicht nur ein Preismodell und nicht nur Selbstschutz, sondern ein politisches Signal gegen die Industrialisierung des Rechts und die Ökonomisierung von Konflikten.


10. Literatur (APA)

Crawford, K. (2021). Atlas of AI: Power, Politics, and the Planetary Costs of Artificial Intelligence. Yale University Press.

Gneezy, A., Gneezy, U., Nelson, L. D., & Brown, A. (2010). Shared social responsibility: A field experiment in pay-what-you-want pricing and charitable giving. Science, 329(5989), 325–327. https://doi.org/10.1126/science.1186744

Kim, J.-Y., Natter, M., & Spann, M. (2009). Pay What You Want: A new participative pricing mechanism. Journal of Marketing, 73(1), 44–58. https://doi.org/10.1509/jmkg.73.1.44

LĂŒchow, T. (2025). Infologie – Codex. DOI: 10.5281/zenodo.17427441

Mauss, M. (1925). Essai sur le don. Presses Universitaires de France.

Ohler, C. (2017). Inkasso und Rechtsstaat: Automatisierte Forderungseinziehung im Spannungsfeld von Effizienz und Fairness. JuristenZeitgeschichte, 38(2), 221–239.

Regner, T., & Barria, J. A. (2009). Do consumers pay voluntarily? The case of online music. Journal of Economic Behavior & Organization, 71(2), 395–406. https://doi.org/10.1016/j.jebo.2009.04.003

Rösler, H. (2014). Privatisierung der Rechtsdurchsetzung: Chancen und Risiken moderner Inkassodienstleistungen. Zeitschrift fĂŒr Verbraucherrecht, 9(1), 15–27.


Weitere Informationen zum I.P.E.-PWYW-Modell: https://pwyw.dpc.re


12. KIQ-Siegel (Infologie · PWYW-Aufsatz)

KIQ-Siegel – PWYW-Aufsatz KomplexitĂ€ts- und Informationsquotient fĂŒr den Aufsatz zu Pay What You Want im Rahmen der Infologie.

KIQ – KomplexitĂ€tsquotient KIQ = Mensch / (Maschine + Last) × 100

68 · Gelb – mittlere KomplexitĂ€t

Status: Wissen (revidierbar) Typ: theoretischer Fachaufsatz (Infologie) Epistemischer Typ: angewandtes Meta-Wissen (2. Ordnung) Folgen: Rahmung von PWYW als Praxis; keine Rechtsberatung.